Somalia: Immer mehr Kinder sind schwer mangelernährt – in überfüllten Kliniken behandeln die Ärzte unter freiem Himmel

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Berlin (ots) –

In Somalia können die Krankenhäuser die stetig wachsende Zahl schwer mangelernährter Kinder kaum noch versorgen, berichtet die Kinderrechtsorganisation Save the Children. Inzwischen sind Ärzte gezwungen, Kinder in Zelten, Konferenzräumen und auf Matratzen im Freien zu behandeln – ein deutliches Zeichen dafür, dass Somalia auf eine Hungersnot zusteuert, die Hunderttausende das Leben kosten könnte.

Die Situation eskaliert deutlich schneller als erwartet. Offiziellen Schätzungen zufolge wird sich die Zahl der Menschen, die unter hungerähnlichen Bedingungen leben, bis zum Ende des Sommers verfünffacht haben – von 38.000 im Mai auf 213.000 im September 2022. Rund 386.000 Kinder sind dem Risiko schwerer Mangelernährung ausgesetzt, die zu Sehstörungen, Muskelschwund, Organversagen und schließlich zum Tod führen kann, wenn nicht rechtzeitig medizinische Hilfe geleistet wird.

“Kinder sterben, und ihre Rettung ist ein Wettlauf gegen die Zeit”, appelliert Mohamud Mohamed Hassan, Länderdirektor von Save the Children in Somalia. “Die Welt schlafwandelt auf eine weitere katastrophale Hungersnot zu, obwohl wir 2011 versprochen hatten, das nie wieder zuzulassen. Die Hilfe für Somalia ist völlig unterfinanziert. Die Staatengemeinschaft muss den Kampf gegen Hunger und Unterernährung in Somalia und ganz Ostafrika zu ihrer Priorität machen. Es ist Zeit, aufzuwachen!”

Der Dürre vor elf Jahren fielen in Somalia fast 260.000 Menschen zum Opfer. Heute sind die Begleitumstände durch die fortschreitende Klimakrise, zwei Jahre Corona-Pandemie und die Folgen des Ukraine-Krieges noch dramatischer. Getreidelieferungen bleiben aus und die Preise für Grundnahrungsmittel steigen so rasant, dass sie für viele Familien unerschwinglich werden.

Nachdem ihre vierjährige Tochter an Unterernährung starb, machte sich Astur* mit ihren zwei weiteren Kindern zu Fuß auf den Weg ins 90 Kilometer entfernte Baidoa im Süden Somalias. Dort half Save the Children ihnen. “Seit vier Jahren haben wir keinen Regen mehr gesehen”, erzählt Astur. “Wir haben unsere Tiere verloren, und auf unserem Hof wächst nichts mehr. Es gab schon immer Dürren, aber noch nie so schlimm wie diesmal.”

Ihrer zweijährigen Tochter Yasmiin* hat die beschwerliche Reise vermutlich das Leben gerettet. Ein Team der Kinderrechtsorganisation brachte sie in eine Klinik, wo Yasmiin unter einem Baum versorgt wurde, bis Stunden später ein Bett frei war. Doch immer mehr Kinder schaffen es nicht rechtzeitig ins Krankenhaus. Im Mai 2022 nahm eine von Save the Children betriebene Klinik in Baidoa 324 Kinder auf – fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Acht von ihnen starben.

Save the Children appelliert an die Staats- und Regierungschefs, die weltweite Mangelernährung ambitioniert und schnell zu bekämpfen und die Ursachen dieser verheerenden Krise anzupacken. Gemeinsam muss in Klimaschutz investiert, das globale Nahrungsmittelsystem verbessert und der Zugang für humanitäre Hilfe geöffnet werden.

Save the Children Deutschland beteiligt sich in Somalia mit einer Förderung des Auswärtigen Amtes an humanitären Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, WASH (Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene) und Kinderschutz. Zudem erhalten bedürftige Familien mit Kindern von der Organisation Geldtransfers für die Soforthilfe. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert im Rahmen der Übergangshilfe über die Zusammenarbeit mit Save the Children Projekte in Somalia und verfolgt unter anderem das Ziel, binnenvertriebene Jugendliche in Baidoa, Garowe und Mogadischu zu unterstützen. Sie sollen verbesserte Einkommensmöglichkeiten und soziale Teilhabe erlangen.

* Name zum Schutz geändert

Bilder und Zusatzmaterial zum Download:

https://www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2S86Z1KC

Unter © Save the Children ist das Material honorarfrei auch zur Weitergabe an Dritte nutzbar.

Pressekontakt:

Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle – Marie-Sophie Schwarzer
Tel.: +49 (0)30 – 27 59 59 79 – 226
Mail: marie.schwarzer@savethechildren.de

Silke Zorn
Tel.: +49 30 27 59 59 79 232
Mail: silke.zorn@savethechildren.de

Über Save the Children: Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 120 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können – seit über 100 Jahren.

Quelle:Somalia: Immer mehr Kinder sind schwer mangelernährt – in überfüllten Kliniken behandeln die Ärzte unter freiem Himmel


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